Ein Countdown verspricht den Zuschauern, dass sie das Video bald überspringen können. In Jerbi Digitals Film über den 7. Oktober wird dieses Versprechen umgekehrt: Der Countdown endet, doch ein Ausweg bleibt aus. Der mit künstlicher Intelligenz erzeugte Kurzfilm zeigt den Unterschied zwischen dem Betrachten einer Gefahr auf einem Bildschirm und dem Ausgeliefertsein vor Ort.
Der rund 45 Sekunden lange Film stammt von Jerbi Digital auf Instagram. Der Urheber wird im Video genannt; auch die Verwendung von KI ist dort ausgewiesen.
Der vollständige Film
Das folgende Video ist eine mit KI erzeugte Rekonstruktion mit Darstellungen von Gewalt und Verzweiflung. Es zeigt keine Originalaufnahmen vom 7. Oktober.
Autos, eine Straße und ein Telefon ohne Sicherheit
Der Film arbeitet mit einer Ich-Perspektive. Er zeigt eine verängstigte Frau neben einem Fahrzeug, Menschen zwischen Autos mit offenen Türen und den Versuch, ein Telefon zu benutzen, während die Gefahr anhält. Statt den Angriff mit Karten oder Schlagzeilen zu erklären, beschränkt sich der Blick auf die unmittelbare Umgebung: eine Autotür, den Boden und ein Display in den Händen.
Auf dem Telefon erscheinen Nachrichten, in denen nach der Sicherheit der Figur gefragt wird. Damit kommt eine weitere Perspektive hinzu: jemand, der anderswo auf eine Antwort wartet. Die Nachrichten sind Teil der Rekonstruktion und werden nicht als authentifizierte Dokumente einer identifizierten Person präsentiert.
Wenn Überspringen eine andere Bedeutung bekommt
In der Szene erscheint eine Einblendung, die an die Option zum Überspringen einer Werbung erinnert. Der Countdown erreicht null, dann wird angezeigt, dass Überspringen nicht möglich ist. Am Ende steht der zentrale Satz des Films: Du kannst überspringen. Sie konnte es nicht. Danach folgt das Datum 7. Oktober 2023.
Das Stilmittel macht aus einer alltäglichen Sehgewohnheit einen Ausdruck von Hilflosigkeit. Zuschauer können die Wiedergabe jederzeit beenden; die Figur kann die Gefahr nicht auf dieselbe Weise abstellen. Das ist eine Interpretation der Bildsprache, keine Aussage einer Überlebenden.
Eine Rekonstruktion vor realem Hintergrund
Der von der Hamas angeführte Angriff am 7. Oktober 2023 umfasste Tötungen und Entführungen. Der Film nutzt KI, um Angst und Gefahr vor diesem historischen Hintergrund darzustellen. Er wird hier weder einem bestimmten Opfer noch einem unabhängig überprüften genauen Geschehensablauf zugeordnet.
Diese Unterscheidung ermöglicht es, das Werk anzusehen, ohne die Erinnerung, die es wachrufen will, mit historischen Belegen zu verwechseln. Die Menschen, denen an diesem Tag Leid zugefügt wurde, waren real. Die Figuren und Bilder dieses Films gehören zu einer künstlich erzeugten Rekonstruktion.

Wo Originalaufnahmen zu finden sind
Wer Originalmaterial sucht, kann unabhängig davon hamas-massacre.net besuchen. Das Archiv sammelt Aufnahmen des Angriffs und der Entführungen. Inhaltshinweis: Die Website enthält verstörende Fotos und Videos mit expliziten Gewaltdarstellungen.
Das Archiv wird getrennt von Jerbi Digitals Werk verlinkt. Es dient nicht als Beweis, dass jedes rekonstruierte Detail einer bestimmten Originalaufnahme entspricht. Der Schlusssatz hält den Unterschied fest: Das Publikum kann einen Inhalt schließen; die Menschen im Angriff konnten das Geschehen nicht einfach ausschalten.