Am 25. und 26. September 2026 verbreiteten sich in sozialen Netzwerken Beiträge, die die Geschichte um Netflix und #NOVA als "Eilmeldung" darstellten. Der zugrunde liegende Vorgang ist real, doch die zeitliche Einordnung ist irreführend. Die Kontroverse war bereits im April 2024 öffentlich, und es gibt keine Hinweise auf eine neue Netflix-Entscheidung über den Film im Jahr 2026.
Die Quellen zeigen außerdem einen wichtigen Unterschied zwischen belegten Tatsachen und später hinzugefügten Behauptungen. Netflix wurde wegen eines Erwerbs der Dokumentation angesprochen und entschied sich dagegen. Dagegen gibt es keinen öffentlichen Beleg dafür, dass das Unternehmen selbst den Ausdruck "israelische Propaganda" verwendet hat. Auch die oft wiederholte Begründung "zu politisch" muss präzise zugeordnet werden.
Was 2024 zwischen Netflix und #NOVA geschah
#NOVA wurde von Dan Pe'er inszeniert, von Kastina Communications für yes Docu produziert und international von yes Studios vertrieben. Der Film wurde im Dezember 2023 in Israel ausgestrahlt. Danach begann die Suche nach internationaler Distribution.
Am 20. März 2024 fand im britischen Parlament eine parteiübergreifende Vorführung der Dokumentation statt. Später unterzeichneten 13 britische Parlamentarier einen Brief an Netflix, in dem sie eine Erklärung dafür verlangten, warum der Film nicht für den Dienst erworben worden war.
Die Kontroverse wurde am 19. und 20. April 2024 öffentlich. Am 21. April berichtete Mako, mit den Verhandlungen vertraute Quellen hätten bestätigt, dass Netflix ebenso wie andere Streamingplattformen und Sender angesprochen worden sei und sich gegen einen Erwerb des Films entschieden habe.
Das ist die präziseste Formulierung: Netflix lehnte es ab, #NOVA zu erwerben oder zu lizenzieren. Es gibt keine Belege dafür, dass Netflix die Dokumentation produziert, gekauft und anschließend entfernt oder anderen Anbietern die Verbreitung untersagt hätte.
Was "zu politisch" tatsächlich belegt
Im Brief der britischen Parlamentarier hieß es, Netflix habe seine Entscheidung "Berichten zufolge" damit begründet, der Film sei "zu politisch". Diese Einschränkung ist entscheidend.
Es wurde keine E-Mail, schriftliche Entscheidung, Gesprächsnotiz oder öffentliche Netflix-Erklärung veröffentlicht, die diese Formulierung enthält. Die verfügbaren Berichte nennen auch keinen Netflix-Mitarbeiter, der sie angeblich verwendet haben soll.
Korrekt ist daher: Britische Parlamentarier erklärten, Netflix habe die Dokumentation Berichten zufolge als "zu politisch" angesehen. Die Worte sollten nicht als bestätigtes öffentliches Netflix-Zitat dargestellt werden.
Netflix nannte #NOVA nicht "israelische Propaganda"
Diese Behauptung wird von den geprüften Belegen nicht gestützt.
Es wurde weder eine Netflix-Pressemitteilung noch ein Sprecherzitat, offizielles Dokument oder eine andere glaubwürdige Quelle gefunden, in der #NOVA als "israelische Propaganda" bezeichnet wird. Diese Formulierung tauchte in Social-Media-Beiträgen auf, deren Verfasser den Film selbst so bezeichneten.
Varianten dieser Formulierung kursierten im Oktober 2025, erschienen im August 2026 erneut und wurden Ende September 2026 wieder so verbreitet, als handele es sich um eine neue Entwicklung. Wenn ein Beitrag schreibt, Netflix habe sich geweigert, "Israels Propagandafilm" zu zeigen, stammt die Bezeichnung "Propaganda" vom Verfasser des Beitrags und nicht von Netflix.
Was #NOVA tatsächlich zeigt
#NOVA ist eine 52-minütige Dokumentation, die aus in Echtzeit aufgenommenem Material rund um den Angriff vom 7. Oktober auf das Nova-Festival bei Re'im zusammengestellt wurde.
Der Film enthält Videos von Festivalbesuchern und Überlebenden, Aufnahmen von Menschen, die später getötet wurden, Telefongespräche, Sprachnachrichten, Textnachrichten sowie GoPro- oder Bodycam-Aufnahmen von Hamas-Angreifern.
Es gibt keinen herkömmlichen externen Sprecher, keinen Moderator, keine rückblickenden Interviews und keine Expertenkommentare. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Film ungeschnitten ist. Die Filmemacher wählten Material aus einem wesentlich größeren Archiv aus, ordneten es chronologisch, synchronisierten Aufnahmen aus verschiedenen Quellen und nutzten geteilte Bildschirme, Untertitel, Übersetzungen und Zeitmarken.
#NOVA basiert damit auf zeitgenössischem Material, bleibt aber eine redaktionell montierte Dokumentation.
Was nach der Netflix-Entscheidung geschah
Die Entscheidung von Netflix beendete die internationale Verbreitung des Films nicht.
Im April 2024 erwarb VGTV die Dokumentation für Norwegen. Es war der erste bekannt gewordene internationale Fernsehvertrag. Später wurde der Film bei SKAI in Griechenland eingeplant, gefolgt von einem Vertriebsabkommen für Lateinamerika über DirecTV und DGO.
Am 7. April 2025 wurde bekannt gegeben, dass Amazon die weltweiten Rechte erworben hatte und #NOVA international über Prime Video verfügbar wurde. Konkrete Verfügbarkeit, Preis und die Frage, ob der Film in einem Abonnement enthalten ist, können je nach Land variieren. Der Film erhielt jedoch eine breite internationale Distribution.
Was an der aktuell kursierenden Geschichte stimmt
Der Kern ist richtig: Netflix wurde wegen #NOVA angesprochen und entschied sich gegen einen Erwerb.
Vier Details verändern jedoch die Bedeutung der viralen Darstellung:
Die Kontroverse wurde im April 2024 öffentlich, nicht im September 2026.
"Zu politisch" ist eine von britischen Parlamentariern berichtete Zuschreibung und keine bestätigte öffentliche Netflix-Erklärung.
Es gibt keine Belege dafür, dass Netflix die Dokumentation "israelische Propaganda" nannte.
Der Film wurde später in mehreren Märkten vertrieben und erhielt über Amazon weltweite Rechte für Prime Video.
Die alte Geschichte hat stattgefunden. Was die verfügbaren Belege nicht zeigen, ist eine neue Ablehnung von #NOVA durch Netflix im Jahr 2026.