Ein Geschäftsinhaber muss entscheiden, ob er der Menge entgegentritt. Menschen in einem Gebäude versuchen, das Eindringen zu verhindern. Einsatzkräfte kommen an einen Ort, an dem auch sie Angriffen ausgesetzt sind. Die Zusammenstellung verbindet diese Situationen und lenkt den Blick vom Sachschaden auf die Menschen unmittelbar daneben.
Wenn der Laden zum Schauplatz einer Konfrontation wird
In Nizza steht der Besitzer eines Geschäfts für Videospiele und Comics vor der Plünderung seines Ladens. Er wird von hinten angegriffen und mit Gegenständen beworfen, während junge Beteiligte der Ausschreitungen lachen. Sein Versuch, sich der Zerstörung entgegenzustellen, bringt auch ihn in Reichweite der Angreifer.
Anderswo steht eine Frau mit einem großen Stock am Eingang ihres Geschäfts. Sie versucht, Plünderer am Eindringen zu hindern. Ein Passant greift ein, als jemand eine Bushaltestelle beschädigt, und stoppt den Täter mit einer Ohrfeige.
Diese Auseinandersetzungen drehen sich um einen konkreten Ort oder Gegenstand: die Tür, das Fenster oder das Eigentum, das jemand schützen will. Ein Schritt auf den Verursacher der Schäden zu kann den Ladenbesitzer oder Passanten selbst zum Beteiligten einer Konfrontation machen.
Im nordfranzösischen Douai erreicht die Gewalt ein Anwesen, das Freunde für eine Geburtstagsfeier gemietet haben. Nach der Beschreibung zu den Aufnahmen versuchten Angreifer einzudringen, beschädigten Autos und attackierten Menschen mit Hämmern. Die Anwesenden versuchen, sich selbst und den Ort ihrer Feier zu verteidigen.
Der Abstand zwischen Unruhen auf der Straße und der Bedrohung einer privaten Zusammenkunft schrumpft bis auf die Türschwelle.
Auch Einsatzkräfte werden zu Zielen
In Paris wirft eine Person von einem Dach aus Steine auf Polizeifahrzeuge und Passanten. Die Bedrohung kommt aus der Höhe, über dem Bereich, in dem sich Menschen und Einsatzkräfte auf der Straße bewegen.
Eine weitere Sequenz zeigt einen Mann, der in der zugehörigen Beschreibung als Polizist in Zivil bezeichnet wird. Er wird geschlagen, nachdem seine Identität bekannt geworden ist.
Auch Feuerwehrleute erleben Gewalt, während sie Brände löschen wollen. Angriffe auf die Teams gefährden jene, die das Feuer eindämmen sollen, ebenso wie die umliegenden Gebäude, die sie zu schützen versuchen.
In weiteren Szenen stehen Polizisten Menschen am Eingang eines geplünderten Geschäfts gegenüber. Die Reaktion findet parallel zur Zerstörung statt: Bedrohungen für die Einsatzkräfte abwehren, Plünderungen stoppen und dort ankommen, wo das Feuer bereits brennt.
Was mitgenommen wird und auf der Straße zurückbleibt
Die Plünderungen betreffen unterschiedliche Geschäfte. Einen Schuhladen von Snipes in Saint Denis, ein Elektrogeschäft von Darty im Pariser Viertel Belleville und ein Fahrrad, das unter Rufen von „Wallah“ aus einem Geschäft von DealBike mitgenommen wird. Auf den Fenstern eines geplünderten Ladens von Zara steht „Free Palestine“.
Einige Beteiligte filmen sich selbst. Nahe den Champs Élysées lässt sich eine Gruppe nach Plünderungen fotografieren und macht beleidigende Gesten. In einer anderen Szene filmt sich ein Mann in einem Touristenbähnchen, das die Begleitbeschreibung als gekapert bezeichnet.
Die Aufnahmen zeigen nicht nur Jubel. Die Hose eines Menschen fängt Feuer, ein anderer stürzt während einer Plünderung. Das Ausmaß ihrer Verletzungen lässt sich aus den Videos nicht bestimmen.
In Lyon werden Ziegel von einer Baustelle am Eingang des Rathauses zu einer Mauer aufgeschichtet. In Paris bleiben beschädigte Schaufenster und Abfall zurück, nachdem die Menge weitergezogen ist. Was die Beteiligten in den Händen hielten, wird nun zum Hindernis oder Schaden, den andere beseitigen müssen.
Auch in Italien stehen hinter den Videos Geschäfte und Wohnungen
Der italienische Teil enthält Szenen aus Mailand. Auf eine über soziale Medien organisierte Versammlung folgen dort eingeschlagene Scheiben und Plünderungen von Geschäften und Supermärkten. Die Begleitbeschreibungen behandeln auch Ausschreitungen in Turin und Bologna.
Diese Szenen haben ihre eigenen örtlichen Umstände. Auf demselben Bildschirm kehren dennoch vertraute Orte wieder: eine Einkaufsstraße, ein Geschäftseingang und ein öffentlicher Raum, in dem Menschen mit der Gewalt um sie herum umgehen müssen.
Für die Betroffenen beginnt das Danach mit praktischen Entscheidungen: ob der Laden öffnen kann, wie sich ein beschädigtes Auto reparieren lässt und ob ein Rettungsteam den nächsten Brand sicher erreichen kann.
Der Mensch im Video kann sich vom zerbrochenen Fenster entfernen. Der Geschäftsinhaber muss trotzdem dorthin zurückkehren.