Eine Frau, die sich als langjährige UNRWA-Lehrerin in Gaza vorstellt, sagt, Pädagogen förderten Extremismus und Gewalt unter Schülern. Sie warnt, dass die sich verfestigenden Vorstellungen zu einem weiteren Angriff wie dem von Hamas angeführten Massaker vom 7. Oktober beitragen könnten.
In dem Video zu diesem Bericht beschreibt sie sich als 40-jährige Geografielehrerin, die seit 15 Jahren an Schulen des UN-Hilfswerks arbeitet.
„Die Lehrer drängen den Schülern diese Ideologien aggressiv auf und stacheln sie zum Töten und zu Gewalt an“, sagt sie laut den englischen Untertiteln des Videos.
Ihr Gesicht ist unkenntlich gemacht, ihr Name wird nicht genannt. Aus der Aufnahme geht nicht hervor, wann sie entstanden ist. Ihre Beschäftigung und die von ihr geschilderten Vorfälle wurden für diesen Bericht nicht unabhängig bestätigt.
Streit mit einer Kollegin über Aufstachelung
Die Frau beschreibt einen heftigen Streit mit einer anderen Lehrerin, der sie vorwirft, Gewalt und Extremismus unter Schülern zu fördern. Sie habe die Kollegin direkt darauf angesprochen und argumentiert, dass diese Vorstellungen mit ihrem gemeinsamen Glauben unvereinbar seien.
„Ich sagte ihr, dass diese Dinge für uns als Muslime nicht erlaubt sind“, heißt es in den Untertiteln.
Sie erinnert sich auch an eine Schülerin, die mit ihr wiederholt über Töten, Gewalt und Zerstörung gesprochen habe. Ihrer Schilderung zufolge werden die Botschaften, die Kinder aufnehmen, in deren Umfeld verstärkt, unter anderem durch Lehrer, Familien und Mitschüler.
„Natürlich geht das über Hamas hinaus. Es ist größer als die Idee von Hamas“, sagt sie.
Sie warnt, dass ein weiterer Angriff nach dem Muster des 7. Oktober folgen könnte, möglicherweise mit noch mehr Opfern und größerer Zerstörung. Das ist ihre Einschätzung der Gefahr, die von den beschriebenen Einstellungen ausgeht, keine Behauptung, von einem konkreten geplanten Angriff zu wissen.
UNRWA-Mitarbeiter und die Massaker vom 7. Oktober
Die Bedenken reichen über Äußerungen im Unterricht hinaus. Am 5. August 2024 kündigten die Vereinten Nationen an, die Beschäftigung von neun UNRWA-Mitarbeitern zu beenden. Zuvor hatte ihr Amt für interne Aufsichtsdienste Belege gefunden, die darauf hindeuteten, dass die Mitarbeiter an den Angriffen vom 7. Oktober „beteiligt gewesen sein könnten“.
Die Untersuchung betraf 19 Mitarbeiter. In neun weiteren Fällen wurden die Belege als unzureichend bewertet; in einem Fall fanden sich keine stützenden Belege. Die UN erklärten, die Ermittler hätten die Echtheit des überwiegenden Teils des bei israelischen Behörden verbliebenen Materials nicht unabhängig überprüfen können. Zugleich hielten sie daran fest, über ausreichende Informationen für die Beendigung der Beschäftigung der neun Mitarbeiter zu verfügen.
Israel veröffentlichte auch Einzelheiten zu konkreten Fällen. Bei einem Briefing am 4. März 2024 stellten die israelischen Streitkräfte ein abgehörtes Telefonat vor, das sie einem Hamas-Terroristen zuordneten, der als Lehrer an einer UNRWA-Grundschule beschäftigt gewesen sei. Nach ihrer Darstellung prahlte er darin damit, eine Frau gefangen genommen zu haben. Das Militär nannte außerdem den UNRWA-Schulberater Bakr Mahmoud Abdallah Darwish und den Grundschullehrer Mamdouh Hussein Ahmad al-Qak als Teilnehmer an dem Massaker und bezeichnete sie als Terroristen der Hamas beziehungsweise des Palästinensischen Islamischen Dschihad.
Ein weiterer Fall betraf Mohammad Abu Itiwi. In einer Erklärung vom 24. Oktober 2024 bezeichneten die israelischen Streitkräfte ihn als Kommandeur der Hamas-Nukhba-Einheit, der den Angriff auf einen Schutzraum am Straßenrand nahe Re’im angeführt und sich an der Ermordung und Entführung israelischer Zivilisten beteiligt habe. Nach Angaben des Militärs war er seit Juli 2022 bei UNRWA beschäftigt und wurde am 23. Oktober 2024 bei einem gemeinsamen Einsatz der Streitkräfte und des Shin Bet ausgeschaltet. UNRWA bestätigte gegenüber Reuters, dass er Mitarbeiter des Hilfswerks gewesen war.
Europäische Finanzierung und Schutzvorkehrungen im Unterricht
UNRWA erhält erhebliche öffentliche Mittel aus Europa. In einer Erklärung vom 30. Juni 2026 teilte die Europäische Union mit, dass die Europäische Kommission dem Hilfswerk im Rahmen ihres Programms für 2025 bis 2027 jährlich 82 Millionen Euro bereitstellt. Außerdem führte sie eine erste Zuweisung von 17,6 Millionen Euro für humanitäre Hilfe im Jahr 2026 auf, die mehrere regionale Einsatzgebiete von UNRWA abdeckt.
Bedenken zu den Schutzvorkehrungen im Bildungsbereich sind auch unabhängig von der Aussage dieser Frau dokumentiert. Ein Bericht des US-Rechnungshofs GAO vom 8. Januar 2026 beschrieb problematische Inhalte in Schulbüchern der Palästinensischen Autonomiebehörde, die an UNRWA-Schulen verwendet werden. Dem Bericht zufolge überprüfte UNRWA Materialien und gab Lehrern Anleitungen. Die Bemühungen, die Inhalte aufzuarbeiten, stießen jedoch auf Hindernisse, darunter Widerstand von Lehrern und örtlichen Gemeinschaften.
Die Prüfung stellte zudem Schwächen in der US-Berichterstattung über diese Bemühungen fest. Ihre Ergebnisse liefern Hintergrund zu Aufsichtsproblemen; sie belegen nicht die konkreten Vorfälle, die in dem Video geschildert werden.
In ihren veröffentlichten Verhaltensregeln für Mitarbeiter erklärt UNRWA, keine Handlungen zu dulden, die Hass oder Aufstachelung zu Gewalt fördern. Die Vorwürfe der Frau betreffen das, was Lehrer den Kindern tatsächlich vermitteln.
Zum Abschluss fordert sie eine umfassende Kampagne für Familien, Lehrer und Schüler, die den von ihr beschriebenen Vorstellungen eine andere Sichtweise entgegensetzen soll.
Das Ziel sei, so die Formulierung der Video-Untertitel, „Vorstellungen von Frieden, Sicherheit und Liebe in ihren Köpfen wachsen zu lassen“.