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Erklärstücke & Analysen

Wer liefert die Namen für die Listen getöteter Journalisten in Gaza?

Zahlen über in Gaza getötete Journalisten prägen weltweit die Berichterstattung. Bevor eine Zahl zur Schlagzeile wird, müssen jedoch Namen erfasst und geprüft werden. Eine am 22. September veröffentlichte Untersuchung von HonestReporting befasst sich mit dem Palästinensischen Journalistenverband (PJS) als einer häufig genannten Quelle in den Einträgen des Committee to Protect Journalists (CPJ) und mit öffentlichen Äußerungen seines Vorsitzenden Nasser Abu Bakr.

Kamera neben Namensliste und Karte von Gaza als Illustration einer Statistik über getötete Journalisten
Illustration zur Herkunft der Einträge in Journalistenlisten. · Hinweis

Quelle und Entscheidung sind nicht dasselbe

Nach Angaben von HonestReporting wurde der PJS in 58 der 218 untersuchten Gaza-Einträge als Quelle genannt, rund 26,6 Prozent. Damit lag er gleichauf mit SKeyes. Neun Einträge aus dieser Stichprobe wurden später entfernt; die Zahl beschreibt folglich nicht zwingend den aktuellen Datenbestand. Die Internationale Journalisten-Föderation erklärt zudem, bei der Überprüfung eng mit ihrem palästinensischen Mitgliedsverband zusammenzuarbeiten.

HonestReporting verlinkt Beiträge, in denen Abu Bakr Diaa Hamarsheh lobte, der 2022 bei einem Anschlag in Bnei Brak fünf Menschen erschoss, sowie Muhammad al-Jabari, der einen Israeli in Kiryat Arba tötete. Die Organisation sieht darin Anlass, die politische Haltung einer wichtigen Datenquelle zu hinterfragen. Aus den Äußerungen allein folgt nicht, dass sämtliche vom Verband gemeldeten Namen zu Unrecht aufgenommen wurden.

Abu Bakr entscheidet auch nicht allein, wer beim CPJ als Journalist geführt wird. Nach eigenen Angaben prüft das CPJ frühere journalistische Arbeiten und stützt jeden Fall auf mindestens zwei Quellen. Politische Ansichten oder die Beschäftigung bei einem verbundenen Medium sind für das CPJ nicht automatisch gleichbedeutend mit einer Beteiligung an Kampfhandlungen, die zum Ausschluss führen kann.

Extern / Soziale Medien

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www.youtube.com/watch?v=Cg4H7WmBaK8

Video: HonestReporting

Warum die neue Prüfung die Debatte nicht beendet

Am 24. September legte das CPJ das Ergebnis einer Prüfung von 229 seit Oktober 2023 erfassten Todesfällen vor. Es entfernte 22 Personen, nahm sechs wieder auf und änderte die Einstufung von zwölf. Eine externe Prüfung bestätigte laut CPJ die Anwendung seiner bestehenden Methode. Das CPJ hält daran fest, dass israelische Streitkräfte seit 2023 weltweit für die große Mehrheit der von ihm erfassten Todesfälle unter Journalisten und Medienmitarbeitern verantwortlich sind.

HonestReporting kommt in einer aktualisierten Untersuchung zu dem Schluss, dass 102 von 191 weiterhin geführten Personen aus Gaza, etwa 53 Prozent, Verbindungen zu Terrororganisationen hatten. In dieser weit gefassten Kategorie stehen auch Beschäftigte von Medien, die solchen Gruppen nahestehen. Sie belegt nicht, dass alle 102 Personen Kämpfer waren. Das CPJ betont außerdem, dass die Streichung eines Eintrags keine Aussage über die Rechtmäßigkeit einer Tötung ist. Aussagekräftig wird die Statistik erst, wenn Kriterien und Belege für die einzelnen Fälle getrennt betrachtet werden.

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