Bildinhalt und räumliche Anordnung
Bei der Rekonstruktion erhält der Computer nicht das ursprüngliche Foto. Nach Angaben auf der Projektseite verarbeitet er Aufnahmen der funktionellen Magnetresonanztomografie, kurz fMRT, die beim Betrachten des Bildes entstanden. Er soll sowohl den Inhalt als auch die Anordnung einzelner Elemente abschätzen.
Dafür verbindet das System zwei Wege. Einer liefert strukturelle Informationen, darunter grobe Formen und Farben. Der andere steuert Hinweise auf den visuellen Inhalt bei. Ein bildgenerierendes Modell verfeinert anschließend die Rekonstruktion. Ein Motiv zu erkennen und seine tatsächliche Gestaltung zu bewahren sind damit unterschiedliche Teile derselben Aufgabe.
Gemeinsame Muster verschiedener Menschen
In seiner Mitteilung vom 14. September beschreibt das Weizmann Institut die Suche nach ähnlichen visuellen Reaktionen in unterschiedlichen Gehirnregionen und bei verschiedenen Personen. Messungen werden nach funktionellen Gemeinsamkeiten zusammengefasst, statt jede einzelne Reaktion als vollständig unabhängigen Fall zu behandeln.
Die Projektseite erläutert gemeinsame funktionelle Gruppen, über die Informationen aus früheren Aufzeichnungen für eine neue Person nutzbar werden. Die wissenschaftliche Frage lautet daher nicht nur, wie gut das erzeugte Bild dem Original ähnelt. Ebenso wichtig ist, wie viele zusätzliche Messungen für eine brauchbare Anpassung nötig sind.
Eine Stunde neuer Aufzeichnungen
Nach Angaben der Forschenden reichte eine Stunde fMRT Daten einer neuen Person für Ergebnisse, die früheren Verfahren mit ungefähr vierzig Stunden Training vergleichbar waren. Dieser Vergleich gilt für den beschriebenen Versuchsaufbau. Er bedeutet nicht, dass ein gewöhnlicher klinischer Scan unmittelbar beliebige Gedanken offenlegt.
Das Team veröffentlicht auch Bildvergleiche und berichtet von besseren Ergebnissen als die Vergleichsmethoden bei sieben von acht Bewertungsmaßen. Diese prüfen unterschiedliche Aspekte der Ähnlichkeit zum Original. Daraus lässt sich weder eine einzelne allgemeine Genauigkeitsquote ableiten noch ein uneingeschränkter Zugang zu Gedanken nachweisen.
Was der Versuch tatsächlich zeigt
Untersucht wurden Bilder, die Versuchspersonen betrachtet hatten, sowie die dabei gemessene Aktivität. Eine Fähigkeit, beliebige Erinnerungen, Absichten oder Gedanken außerhalb dieser Aufgabe auszulesen, ist damit nicht belegt. Auch eine überzeugend wirkende Rekonstruktion garantiert nicht, dass jedes Detail dem betrachteten Bild entspricht.
Der israelische Forschungsbeitrag liegt in der Verbindung struktureller und semantischer Informationen sowie im geringeren Datenbedarf bei der individuellen Anpassung. Das Institut stellte die Arbeit bereits im September vor. Der Bericht vom 18. Oktober verschafft ihr neue Aufmerksamkeit, ändert aber nichts an dieser zeitlichen Einordnung.
Die veröffentlichten Beispiele ermöglichen eine konkrete wissenschaftliche Prüfung. Weitere Fortschritte werden davon abhängen, wie zuverlässig Details erhalten bleiben und wie gut sich Ergebnisse auf andere Personen und Versuchsbedingungen übertragen lassen. Für Leser ist die Aussage deshalb begrenzt, aber relevant: Das Team verbessert einen experimentellen Weg von gemessener visueller Gehirnaktivität zu rekonstruierten Bildern. Eine allgemeine Maschine zum Lesen sämtlicher Gedanken wurde damit nicht demonstriert.