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Jüdische Welt

ADL fordert Prüfung fortbestehender Wikipedia-Änderungen eines gesperrten Autors

Die Anti-Defamation League hat am 15. Oktober 2026 eine systematische Überprüfung von Wikipedia-Artikeln gefordert, die sanktionierte Autoren mitgeprägt haben. Laut ihrem neuen Bericht ging ein Teil der sichtbaren Koordination zurück, während Änderungen fortbestehen, die die Organisation als gegen Israel und Juden gerichtet bewertet.

Ein aufgeschlagenes Buch und eine Lupe mit schwebenden abstrakten Seitentafeln über einem Schreibtisch
Offenes Buch und eine Lupe · Hinweis

Der Bericht unterscheidet zwischen dem Sperren eines Kontos und der Prüfung seiner bisherigen Arbeit. Sanktionen könnten künftige Aktivitäten begrenzen, beseitigten aber frühere Auslassungen oder Darstellungen nicht automatisch, argumentiert die ADL. Sie verlangt deshalb eine Untersuchung einzelner Änderungen statt einer pauschalen Rücknahme sämtlicher Beiträge eines gesperrten Autors.

Was die Zahl von 91 Prozent aussagt

Die ADL untersuchte die Bearbeitungsgeschichte des gesperrten Kontos Iskandar323 in sechs englischen Wikipedia-Artikeln: Israel, Gazakrieg, Angriffe vom 7. Oktober, Hamas, Zionismus und Juden. Die Forscher ermittelten 485 Bearbeitungen. Davon ließen sich 398 mit dem im August 2026 verfügbaren Text vergleichen.

Nach Angaben des Berichts wirkten 362 dieser überprüfbaren Änderungen fort, also rund 91 Prozent. Die übrigen 87 wurden ausgeschlossen, weil sie Seitenverschiebungen, später gelöschte Versionen oder nicht zuverlässig nachvollziehbare Eingriffe betrafen.

Der Wert beschreibt damit das Fortbestehen von Änderungen eines einzelnen Kontos in einer bestimmten Stichprobe. Er beziffert nicht den Anteil falscher Informationen in Wikipedia insgesamt. Die ADL betont selbst, dass das Fortbestehen einer Bearbeitung nichts über deren Richtigkeit aussagt. Deshalb gehört die Einzelprüfung zum Kern ihrer Forderung.

Verschobene Informationen werden weniger sichtbar

Ein Beispiel betrifft Material über den Antisemitismus der Terrororganisation Hamas und ihren Einsatz menschlicher Schutzschilde. Laut ADL verschob das Konto am 10. Oktober 2023 umfangreiche Inhalte aus dem Hauptartikel in einen gesonderten Beitrag über Kritik an der Gruppe.

Die Informationen wurden in diesem Beispiel verschoben, nicht gelöscht. Der Einwand der Organisation lautet, dass Leser des Hauptartikels sie seltener sehen würden, sofern sie keine weitere Seite öffnen. Der Bericht behandelt deshalb auch Anordnung und Sichtbarkeit, neben der Frage, ob eine Aussage irgendwo auf der Plattform vorhanden bleibt.

Bei der vorgeschlagenen Prüfung sollen laut ADL entfernte Quellen und veränderte Darstellungen untersucht werden. Wo Verzerrungen belegt seien, sollten belegte Informationen und ausgewogene Formulierungen wiederhergestellt werden.

Sichtbare Koordination nahm laut ADL ab

Die Organisation verglich zwei Sechsmonatszeiträume vor und nach ihrem Bericht vom 18. März 2025 über ungefähr 30 Autoren. Sie meldet einen Rückgang um 88 Prozent bei Bearbeitungen derselben Seite durch Gruppenmitglieder innerhalb einer Stunde. Zwischen den Konten ausgetauschte Nachrichten gingen demnach um 95 Prozent zurück.

Diese Werte erfassen beobachtbare Aktivitäten. Sie beweisen weder das Ende jeder Koordination noch eine entsprechende Abnahme von Verzerrungen. Eine Prüfung im Juli 2026 identifizierte zudem 19 aktive Konten: acht aus der früheren Gruppe und elf neu dokumentierte. Neu dokumentiert bedeutet dabei nicht neu registriert.

Eine Forderung im System der Freiwilligen

Zu den Vorschlägen der ADL gehören eine strukturierte Inhaltsprüfung, zusätzliche Schutzmechanismen bei umstrittenen Themen und deutlichere Angaben, wenn Suchmaschinen oder KI-Werkzeuge Wikipedia nutzen. Die Organisation will damit Folgen früherer Bearbeitungen ebenso behandeln wie die Kontrolle künftiger Aktivitäten.

Die Wikimedia Foundation erklärte die Zuständigkeiten in einer Stellungnahme vom 26. Juni 2024: Freiwillige treffen redaktionelle Entscheidungen. Die Stiftung unterstützt die Plattform, schreibt deren Inhalte aber nicht und legt sie auch nicht fest.

Diese frühere Erklärung betraf Wikipedias Organisationsstruktur. Innerhalb dieses Rahmens fordert die ADL nun eine konkrete Ergänzung zur Kontosperre: eine begründete Prüfung der Änderungen, die in den Texten für Leser weiterhin wirksam bleiben.

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