Folge 40 des JCZC Podcast wurde am 24. September 2026 unter dem Titel "Inside Gaza: Where Truth Goes to Die" veröffentlicht. Darin führt Moderator Simeon Myers ein ausführliches Gespräch mit John Spencer. Laut der von ARISE veröffentlichten Folgenbeschreibung geht es um urbane Kriegsführung in Gaza, die Vorbereitung des Schlachtfelds durch die Hamas, Tunnel und Aktivitäten in zivilen Gebieten, Opferstatistiken, die Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kämpfern, Maßnahmen zur Verringerung ziviler Schäden, Desinformation und die Debatte über Genozidvorwürfe.
Spencer bewarb die Folge auf X als längeres Gespräch über seine Forschung in Gaza, das Kriegsvölkerrecht einschließlich der Verhältnismäßigkeit, "number and ratios", Geschichte und darüber, "why the genocide accusation is absurd". Diese Formulierung gibt Spencers eigene Position wieder und ist keine gerichtliche Feststellung.
Das vollständige Interview ansehen
Die Folge dauert 1:35:22. Die vom Herausgeber veröffentlichte Kapitelübersicht nennt unter anderem urbane Kriegsführung, Informationskrieg, die Strategie der Hamas, Opferstatistiken, die Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kämpfern, Maßnahmen zur Verringerung ziviler Schäden und Genozidvorwürfe.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag in den geprüften Quellen kein vollständiges und verlässliches Transkript der Folge vor. Deshalb schreibt dieser Artikel Spencer keine unbestätigten Zitate, Zahlen oder detaillierten Argumente zu.
Was Verhältnismäßigkeit im Kriegsvölkerrecht bedeutet
Verhältnismäßigkeit ist eines der Themen, die Spencer in seinem X-Beitrag ausdrücklich nannte. Im humanitären Völkerrecht bedeutet Verhältnismäßigkeit nicht, die Gesamtzahl der Toten beider Konfliktparteien miteinander zu vergleichen.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz erklärt, dass ein Angriff auf ein militärisches Ziel verboten ist, wenn der erwartete unbeabsichtigte Schaden für Zivilisten im Verhältnis zum erwarteten konkreten und unmittelbaren militärischen Vorteil exzessiv wäre. Zusätzlich gelten die Grundsätze der Unterscheidung und der Vorsichtsmaßnahmen. Sie verlangen unter anderem, zwischen Zivilisten und Kämpfern sowie zwischen zivilen Objekten und militärischen Zielen zu unterscheiden und alle praktisch möglichen Vorsichtsmaßnahmen zur Verringerung ziviler Schäden zu treffen.
Eine Gesamtzahl von Todesopfern oder ein allgemeines Verhältnis zwischen Zivilisten und Kämpfern entscheidet daher für sich allein nicht darüber, ob ein bestimmter Angriff mit dem Verhältnismäßigkeitsgrundsatz vereinbar war. Solche Daten können für breitere Untersuchungen relevant sein. Eine juristische Bewertung eines konkreten Angriffs benötigt jedoch auch Informationen über das Ziel, den erwarteten militärischen Vorteil, den erwarteten Schaden für Zivilisten und die zum Entscheidungszeitpunkt verfügbaren Informationen.
Über den Genozidvorwurf ist noch nicht in der Hauptsache entschieden
Spencer weist öffentlich den Vorwurf zurück, Israel begehe in Gaza einen Genozid. Südafrika argumentiert dagegen vor dem Internationalen Gerichtshof, Israel habe gegen die Völkermordkonvention verstoßen. Israel weist diese Vorwürfe zurück.
Bis zum 26. September 2026 hatte der IGH kein abschließendes Urteil in der Hauptsache darüber gefällt, ob Israel gegen die Konvention verstoßen hat. Israel reichte im März 2026 seine Klageerwiderung ein. Im Mai ordnete der Gerichtshof eine zweite schriftliche Runde an. Südafrikas Erwiderung ist bis zum 22. November 2027 fällig, Israels Gegenerwiderung bis zum 22. Mai 2029.
Die 2024 angeordneten vorläufigen Maßnahmen sind verbindliche Zwischenmaßnahmen zum Schutz geltend gemachter Rechte während des laufenden Verfahrens. Sie sind weder ein abschließendes Urteil, dass ein Genozid stattgefunden hat, noch eine endgültige Zurückweisung des südafrikanischen Verfahrens.
Wer ist John Spencer?
Das Madison Policy Forum führt Spencer als Chair of War Studies. Er diente mehr als 25 Jahre in der US Army, darunter bei zwei Kampfeinsätzen im Irak, und beschäftigt sich seit Jahren mit Forschung und Ausbildung im Bereich urbaner Kriegsführung.
Auch die Art seines Zugangs zu Gaza ist für die Einordnung relevant. In einem NPR-Interview im Juli 2025 sagte Spencer, er sei viermal eingebettet mit den israelischen Streitkräften nach Gaza gelangt und habe während dieser Besuche keine Palästinenser interviewt. Seine Forschung konzentriere sich auf Taktiken, Techniken, Verfahren, Befehle und Zielauswahlprozesse der israelischen Streitkräfte. Dieser Hintergrund hilft Lesern, Umfang und Quellenbasis seiner Beobachtungen einzuordnen.
Warum das neue Interview relevant ist
Die Folge sollte nicht automatisch als vollständig neuer Forschungsstand dargestellt werden. Viele der von Spencer und dem Herausgeber genannten Themen, darunter Verhältnismäßigkeit, Opferzahlen, urbane Kriegsführung und Genozidvorwürfe, tauchten bereits in früheren Arbeiten und Interviews von Spencer auf.
Der unmittelbare Wert der neuen Folge besteht darin, diese Themen in einem einzigen langen Gespräch zusammenzuführen und den Zuschauern zu ermöglichen, Spencers Argumentation direkt zu hören. Gleichzeitig bleiben zahlreiche tatsächliche und rechtliche Fragen zum Gaza-Krieg umstritten. Deshalb ist es wichtig, Spencers Analyse von Daten der Konfliktparteien, unabhängiger Forschung, primären Rechtsquellen und noch ausstehenden gerichtlichen Entscheidungen zu unterscheiden.