Was in Tirana vereinbart wurde
Nach Angaben des albanischen Verteidigungsministeriums fand die Unterzeichnung im Hauptquartier des Generalstabs statt. Albaniens Generalstabschef Arben Kingji und der Kommandeur der internationalen Truppe, Jasper Jeffers, unterzeichneten das Abkommen. Verteidigungsminister Ermal Nufi und US-Botschafter Eric Wendt nahmen an der Zeremonie teil.
Nufi bezeichnete die Vereinbarung als Bekräftigung des albanischen Engagements für internationale Bemühungen um Sicherheit und dauerhafte Stabilität in Gaza. Albanien sei Gründungsmitglied des Friedensrats. Damit formulierte der Minister eine politische Zielsetzung, keine Feststellung, dass die angestrebten Sicherheitsbedingungen bereits erreicht seien.
Die Mitteilung nennt weder Truppenstärke noch Einheitentypen, Einsatzbeginn oder Regeln für die Gewaltanwendung. Auch Einsatzdauer und Ausrüstung bleiben offen. Erst diese Angaben würden zeigen, welchen konkreten militärischen Umfang der albanische Beitrag erhält und welche Aufgaben das Personal tatsächlich übernehmen soll.
Die Zusage liegt länger zurück
Albanien hatte seine Bereitschaft zur Entsendung von Personal schon zuvor erklärt. Ein Bericht des Friedensrats an die Vereinten Nationen vom 15. Mai 2026 nennt eine am 19. Februar 2026 unterzeichnete Erklärung Albaniens, Indonesiens, Kasachstans, Kosovos und Marokkos. Außerdem beschreibt er eine vorbereitende Erkundung möglicher Einsatzstandorte Ende April.
Das am 23. Oktober 2026 bekannt gegebene Abkommen ist somit ein weiterer Schritt zur verbindlicheren Ausgestaltung der Beteiligung. Absichtserklärung, Teilnahmevereinbarung und tatsächlicher Einsatz sind unterschiedliche Vorgänge. Der Nachweis eines Schrittes belegt nicht automatisch, dass die übrigen bereits abgeschlossen wurden.
Der Friedensrat erklärte, Albanien werde Sicherheitsoperationen und deren Planung unterstützen, zusätzlich zu Beiträgen Marokkos und Kosovos. Die auch von JNS am 24. Oktober 2026 aufgegriffene Ankündigung beschreibt die vorgesehene Funktion. Einen Zeitplan für den Einmarsch albanischer Kräfte in den Gazastreifen nennt sie nicht.
Entmilitarisierung in Abstimmung mit Israel
Die Grundlage der Mission ist die am 17. November 2025 verabschiedete Resolution 2803 des UN-Sicherheitsrats. Sie erlaubt eine zeitweilige Truppe unter einheitlichem Kommando, in enger Abstimmung und Zusammenarbeit mit Israel und Ägypten sowie im Einklang mit dem Völkerrecht.
Zu den Aufgaben zählen die Sicherung von Grenzgebieten, der Schutz von Zivilisten und humanitären Einsätzen sowie die Unterstützung einer überprüften palästinensischen Polizei. Hinzu kommen der Abbau militärischer und terroristischer Infrastruktur, die Verhinderung ihres Wiederaufbaus und die dauerhafte Außerdienststellung von Waffen bewaffneter Gruppen.
Diese Bestimmungen berühren Israels Sicherheit unmittelbar. Das Mandat verknüpft die internationale Präsenz damit, einen erneuten Aufbau militärischer Fähigkeiten von Terrororganisationen zu verhindern. Es beschreibt damit eine konkrete Sicherheitsaufgabe. Die schriftliche Ermächtigung allein beweist allerdings nicht, dass die Entmilitarisierung vor Ort bereits umgesetzt wird.
Welche Fragen weiterhin offen sind
Resolution 2803 verbindet auch den israelischen Truppenabzug mit Fortschritten bei Stabilität und Entmilitarisierung. Maßstäbe, Etappen und Zeitpläne sollen zwischen den beteiligten Akteuren vereinbart werden. Eine Präsenz in einem Sicherheitsbereich bleibt vorgesehen, bis Gaza gegen eine erneute terroristische Bedrohung abgesichert ist. Albaniens Mitteilung ändert diese Bedingungen nicht.
Die bestehende internationale Ermächtigung für den Friedensrat und die zugehörige zivile und sicherheitspolitische Präsenz gilt bis zum 31. Dezember 2027, vorbehaltlich weiterer Ratsbeschlüsse. Dieses Datum bezeichnet die Laufzeit des Mandats. Es ist kein bekannt gegebener Beginn oder Endtermin des albanischen Einsatzes.
Neu ist die formelle Teilnahmevereinbarung eines Landes, das Unterstützung bereits zugesagt hatte. Ihre Wirkung hängt von Personal, Zuständigkeiten und Einsatzmodalitäten ab, die in der Ankündigung nicht konkretisiert wurden. Die Unterschrift bringt den Aufbau der Mission voran. Sie belegt für sich genommen noch keine funktionierende Sicherheitsalternative zur Herrschaft der Hamas.