Moshe Feiglin hat eine Frage nach Israels internationalem Ansehen zum Anlass genommen, die moralische Autorität seiner Kritiker infrage zu stellen. In dem unten eingebetteten Interview mit englischen Untertiteln erklärt der Vorsitzende der Partei Zehut, entscheidend sei, für welche Seite sich Menschen im Ausland entscheiden und wie diese Entscheidung aus israelischer Sicht zu bewerten ist.
"Es geht nicht darum, wie ihr uns seht. Es geht darum, wie wir euch sehen", sagt er. Diese Umkehr verbindet seine Kritik an Menschen in Kanada und Europa mit einer biblischen Warnung über Segen und Fluch.
Eine Frage nach dem Ruf wird zur Frage nach Verantwortung
Die Interviewerin fragt, ob ihm Israels Ansehen in Europa, Kanada und den Vereinigten Staaten wichtig sei. Dieses Ansehen und die Beziehungen zu den betreffenden Ländern seien ihrer Einschätzung nach auf einem historischen Tiefpunkt. Ob ihn das beschäftige, will sie wissen.
Feiglin legt weder eine Strategie für die Öffentlichkeitsarbeit vor, noch widerspricht er ihrer Einschätzung mit Umfragezahlen. Stattdessen stellt er die Richtung des Urteils infrage. Neben die Meinung ausländischer Beobachter über Israel rückt er deren Verhalten und Entscheidungen. Damit werden die Kritiker selbst zum Gegenstand des Gesprächs.
Diese Unterscheidung ist für seine Argumentation zentral. Die Interviewerin fragt nach den Folgen der Wahrnehmung Israels. Feiglin fragt dagegen, was seinen Kritikern moralische Autorität verleiht und ob ihre Haltung geprüft werden sollte, bevor ihr Urteil zum Maßstab für Israel gemacht wird.
Kanada und Europa im Mittelpunkt der Antwort
"Wenn ich sehe, wie eure Leute in Kanada und in Europa gemeinsam marschieren und auf der islamo-nazistischen Seite stehen, habt ihr hier in Israel ein sehr schlechtes Image", sagt Feiglin nach dem Wortlaut der englischen Untertitel.
Diese Anschuldigung ist seine Charakterisierung der Menschen, die er kritisiert. Der Ausschnitt nennt keine bestimmte Demonstration, Organisation oder identifizierbare Begebenheit. Seine Position wird dennoch deutlich: Die Seite, für die sich diese Menschen entschieden haben, ist aus seiner Sicht bedeutsamer als ihre Ablehnung Israels.
Dabei verändert er auch, wessen Urteil in der Diskussion Gewicht erhält. Die Ausgangsfrage betrifft den Blick von Menschen in westlichen Ländern auf Israel. Seine Antwort bringt die Israelis als Menschen ins Gespräch, die ihrerseits berechtigt sind, jene Beobachter und deren Verhalten zu beurteilen.
Deshalb ist die Formulierung vom "sehr schlechten Image" wichtig. Er übernimmt die Sprache der Interviewerin und wendet sie auf die Kritiker an. In seiner Argumentation bedeutet ein Standort außerhalb Israels nicht, selbst außerhalb moralischer Prüfung zu stehen.
Was er mit einem moralischen Weltgericht meint
Anschließend gibt Feiglin seinem Argument eine religiöse und nationale Grundlage. Das Volk Israel, "hier im biblischen Land", bezeichnet er als den eigentlichen "moralischen internationalen obersten Gerichtshof". Damit beschreibt er seine Vorstellung davon, wo moralische Autorität liegt.
Die Formulierung ist eine Metapher in seiner Antwort, kein Name einer Justizinstitution und kein Verweis auf ein Gerichtsurteil. Sie erklärt, weshalb er die Meinung im Ausland nicht als letzte Instanz über Israel akzeptiert. Sein Bezugspunkt sind das Volk Israel und dessen biblische Verbindung zu diesem Land.
Daraus ergibt sich auch die Bedeutung des folgenden Satzes darüber, "wie wir euch sehen". Er beansprucht einen eigenständigen Standpunkt, von dem aus andere beurteilt werden können. In diesem Gespräch bittet er die Interviewerin nicht um ein besseres Image für Israel, sondern fordert ihr Publikum auf, die eigene Haltung zu prüfen.
Eine biblische Warnung zum Schluss
Zum Ende beruft sich Feiglin auf die Bibel: "Die dich segnen, werden gesegnet sein, und die dich verfluchen, werden verflucht sein." Danach wendet er sich an Menschen in Kanada und weltweit und fragt sie, welchen dieser Wege sie einschlagen wollen.
"Steht ihr auf der Seite der Kinder Gottes oder nicht? Das ist euer Problem, nicht meines", sagt er. Die religiöse Sprache gehört zu seiner Argumentation. Er stellt die Entscheidung als moralische Verantwortung mit geistlichen Folgen dar, nicht als Berechnung darüber, wie sich wohlwollende Berichterstattung gewinnen lässt.
Die Schlussworte vollenden die Verschiebung des Gesprächs. Aus der Frage, ob ihn ausländische Wahrnehmungen beunruhigen, wird eine Herausforderung an diejenigen, die diese Wahrnehmungen prägen. Er überträgt den Kritikern die Aufgabe, darüber nachzudenken, was ihre Position über sie selbst aussagt.
Feiglins Botschaft bleibt in dem kurzen Austausch gleich: Kritik aus dem Ausland entscheidet aus seiner Sicht nicht von sich aus die moralische Frage. Israelis können fragen, wer sie beurteilt, auf wessen Seite diese Menschen stehen und ob deren Urteil überhaupt als Maßstab akzeptiert werden sollte.